NEUES VON "SCHULE AUF RÄDERN"

 

Das Projekt „Schule auf Rädern“ hat Halbzeit und alle sind noch dabei. Ein Konzept geht auf.

Berlin, 12. Januar 2010.  Was macht das Projekt "Schule auf Rädern" jetzt im frostigen Winter? Eigentlich müsste es zur Zeit "Schule auf Kufen" heißen, denn bei diesen winterlichen Bedingungen ist so eine Fahrt von Berlin in das thüringische Städtchen Heiligenstadt eher eine Winterreise – mit offenem Ausgang. Es kann dann schon mal sein, dass der VW- Bus mit acht Mann an Bord statt 4 Stunden 10 Stunden braucht, weil einfach alles zu vereist ist. Dennoch lassen sich die Jugendlichen unter keinen Umständen davon abhalten, ihre Fahrt raus aus Berlin in die Schule nach Heiligenstadt anzutreten. Vera Rodenstock, die ständige Betreuerin, steuert das Schiff immer wieder sicher in den jeweiligen, sicheren Hafen. Und sonst?

Jeder für sich UND alle zusammen – Lernen in Heiligenstadt

Nachgefragt nach dem derzeitigen Stand des Projektes kommt eine freundliche, aber bestimmte Antwort: "Es läuft gut! Das Konzept funktioniert. Jetzt, nach einem halben Jahr, sind immer noch alle dabei."

Das Besondere – das Lernen unter anderen Bedingungen, an einem anderen Ort, mit anderen Leuten – scheint aufzugehen. Inzwischen haben Riccardo, Kevin, Jacky und ihre Mitstreiter Leute gefunden, mit denen sie sich gut verstehen. Da ist allen voran der Klassenlehrer Pater Federhen, der nicht nur akzeptiert, sondern gemocht wird und bei dem das Lernen sogar  manchmal Spaß macht. Und noch etwas ist anders: Alle sind in einer Klasse, egal ob 17 oder 22 Jahre. Sie lernen zusammen. Mit der Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen – 8.-Klassen-Abgangszeugnis und einer Mindestschulzeit von neun Jahren – hat jeder von ihnen die Teilnahme an dem Projekt erfüllt. Nun heißt es büffeln für den Hauptschulabschluss! Jeder für sich – und alle zusammen! Heute, am 12.01.2010, ist Schulkonferenz. Jacky, das einzige Mädchen in der Gruppe, fragt bei Vera noch mal vorsichtig nach, ob denn "Schlimmes" zu erwarten sei. Hier kann Vera die Bedenken nehmen. Im Gegenteil: "Die schulischen Leitungen bewegen sich zwischen Gut und - … naja, da muss noch was gemacht werden. Aber ernstliche Probleme oder gar Ausfälle gibt es nicht." Eine tolle Leistung, wenn man bedenkt, dass unter den Schülern einige sind, die Jahre in der Lern-Behinderten-Schule (LBS) verbracht haben.

Starker Wille der Schüler und persönlicher Einsatz der Helfer – ein Erfolgsrezept?

Eine Leistung die zum einen dem starken Willen der Schüler zum anderen auch ganz wesentlich dem persönlichen Einsatz der Erzieher und Lehrer zuzuschreiben ist. Nur mit dieser Hilfe können auch kleine Probleme gelöst werden. Vera, z.B., ist für jeden der Jugendlichen immer ansprechbar. "Meine Handynummer hat jeder in der Gruppe - und macht davon auch Gebrauch." Vera ist die Bezugsperson. Selbst gerade mal zwei Jahre älter, ist die gelernte Erzieherin verantwortlich für die Gruppe und fährt damit nicht nur den vollbesetzten VW- Bus, sondern betreut ihre Schützlinge auch in Heiligenstadt rund um die Uhr. Manchmal nimmt Vera die Jugendlichen auch mit nach Hause zu ihren Eltern. Dann bekommt die eigene Familie für ein paar Stunden Zuwachs. Es gibt Apfelsaftschorle und im Garten wird mit den Hunden herumgetollt. Gefragt nach Problemen bleibt Vera einen Augenblick still: "Naja, es ist immer wieder schwer aus Heiligenstadt abzufahren. Da wird um jede Stunde gefeilscht. Hier kommt so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl auf. Die Jugendlichen sind aufgehoben, versorgt. So bedarf es schon manchmal eines Motivationsschubs, wenn Montag früh in Marzahn die Ausbildung weiter geht. Dann rufen wir an, fragen nach und müssen mitunter etwas fordernder werden. Denn dafür sind wir auch da."

Initiative ist weiter gefragt

Aber auch hier gibt es Entwicklungen. Auf Initiative von Mitarbeitern der Einrichtung in Berlin- Marzahn haben Dennis, Kevin und Andy neben der Schule ein Praktikum im sächsischen Burgstädt begonnen. Zusätzlich zu ihrer Ausbildung in Marzahn und ihrem Schulunterricht in Heiligenstadt lernen sie in mehreren Modulen Grundfertigkeiten in den Bereichen Mediendesign und Lagerhaltung.  Toll, denn die Praktika werden mit einem Zertifikat belohnt, das sich später bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz als positiv erweisen wird. Und da fehlt es dann auch nicht an Motivation, da steht man schon mal um fünf Uhr früh auf.

Tatsache ist: "Schule auf Rädern" ist für sieben junge Menschen ein Weg in ein eigenständiges Leben. Ohne das Konzept und die Menschen die es umsetzen, also die Schüler selbst und der ganz persönliche Einsatz sowie die zugewandte, respektzollende und fordernde Art der Erzieher und Lehrkräfte würde das nicht funktionieren. Jacky: "Ich habe Schwester Margareta versprochen, dass ich das schaffe. Und was ich versprochen habe, halte ich."

Weiter so!

Simone Berghäuser
Botschafterin der freddy fischer stiftung

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Simone Berghäuser
Birkensteig 29
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